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Blinde Zerstörung von Lebensraum in den Halberstädter Bergen

Dieser Beitrag ist chronologisch geordnet, neuere Ergänzungen zu diesem Thema finden sich weiter unten.

2020-01-18
Bei einem Spaziergang durch eine meiner Lieblingsgegenden in der Nähe musste ich heute eine erschreckende Feststellung machen.

In einem Teil eines Landschaftsschutzgebietes „Halberstädter Berge“, östlich der Klussiedlung, wurde eine große Anzahl von Kiefern gefällt. Als Grund dafür waren Sturm- und Trockenschäden der Vorjahre erkennbar. Nun kann man durchaus Bäume fällen, von denen eine Gefahr augeht und die in der unmittelbaren Nähe von Wegen stehen. Eine großflächige Abholzung hingegen stellt in meinen Augen eine äußerst übertriebene Handlung dar. Weiterhin wurden auch Bäume gefällt, die nachweislich gesund gewesen sind. Ich denke, dass hier finanzielle Interessen an der Nutzung des Holzes bestehen oder dass diese Bäume einfach im Weg gestanden haben.

Nun muss man wissen, dass das Gebiet von verschiedenen Tieren als Lebensraum genutzt wird. Unter diesen Tieren finden sich auch gefährdete und besonders geschützte Arten. Durch die Zerstörung des zusammenhängenden Waldgefüges ist dieses Gebiet nun nicht mehr oder nur noch zum geringen Teil für diese Tiere bewohnbar.

Hier ein paar Bilder, die ich heute aufnehmen musste, um das Ausmaß der Zerstörung festzuhalten.

Wie die Axt im Walde…

Hier war mal ein geschlossener Wald, die Kiefern im Hintergrund kommen auch noch weg.

Viele grüne Nadeln, dieser Baum war topfit. Die Reste wurden einfach in eine Hecke geworfen.

Hier hängt ein Nistkasten an einer Kiefer, die auch noch gefällt wird. Im letzten Jahr wurden über 30 Nistkästen in den Bergen aufgehängt, um es den Singvögeln einfacher zu machen, sich dort anzusiedeln. Dieses Projekt wurde durch das Museum Heineanum in´s Leben gerufen. Die „Jungen Ornithologen“ (eine Gruppe von vogelinteressierten Kindern und Jugendlichen) haben mit Unterstützung von freiwilligen Helfern diese Kästen installiert und per GPS eingemessen, um über Jahre hinweg die Besiedlung durch die verschiedenen Singvögel in diesem Gebiet zu dokumentieren. Dieses Projekt kann nun nicht mehr durchgeführt werden, alle Vorarbeiten waren für die Katz´ und die erwarteten Erkenntnisse aus den Untersuchungen sind für die Nachwelt verloren .

Ein weiterer Nistkasten, der seinen Zweck nicht mehr erfüllen kann.

Auch diese Fledermauskästen können nicht bleiben. Sie hätten jetzt ohnehin keinen Nutzen mehr – für die Tiere.

Ein trockener Baumstamm, der weiter hinten wieder austreibt, ist bald eine wunderbare Wohnung für einen Specht. Totes Holz ist ein idealer Lebensraum für viele Vögel und Insekten und muss nicht zwangsläufig und schon gar nicht großflächig aus dem Wald entfernt werden.

Dieser tote Baumstamm ist schon seit Jahren bewohnt und sollte auch noch jahrelang genutzt werden.

Eine Narbe mitten im ehemaligen Wald. Auf diesem, durch schwere Erntemaschinen (Harvester) verdichteten Waldboden kann in den nächsten Jahrzehnten kein gesunder Baum mehr wachsen.

Noch eine Stelle, auf der mit dem Harvester rücksichtslos rangiert wurde. Weiter hinten „im Weg“ stehende Bäume wurden einfach mit abgesägt oder durch das Rangieren im Wurzelbereich stark beschädigt. Wenn die geschnittenen Stämme und andere Holzreste irgendwann aus dem Wald abtransportiert werden, entstehen noch weitere, gravierende Schäden durch die schweren Maschinen.

Dieser Stamm wurde achtlos in die Hecke fallen gelassen oder geworfen. Dabei wurden andere Bäume und Sträucher sowie das Unterholz geschädigt. In dieser einzigen Hecke waren bis vor Kurzem acht bestätigte Vogelarten beheimatet: Kohlmeise, Blaumeise, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Amsel, Zaukönig, Weidenmeise, Gartenrotschwanz.

Auch diese Hecke wurde auf einem Teilstück von 20m komplett zerstört.

Dieser Horstbaum eines Greifvogels (Mäusebussard oder Rotmilan?) wurde komplett freigeschnitten. Zukunft des Baumes: Ungewiss. Nutzungswahrscheinlichkeit des Horstes durch den Greifvogel: 0%

Und hier die neue Aussichtsbank vor einem ökologisch toten Wald.

Fazit

Dieser Eingriff in die Natur, auch wenn dieser Wald vor langer Zeit durch den Menschen selbst angelegt wurde, ist das Ergebnis einer extrem kurzsichtigen Denkweise der Verantwortlichen, der vollkommenen Ahnungslosigkeit der Waldarbeiter und einer gesellschaftlich anerkannten oder tolerierten Art und Weise, mit unserer Umwelt umzugehen. Der Mensch steht, wie immer, im Mittelpunkt seiner eigenen Interessen und es kümmert ihn nicht, wie viele Tiere und Pflanzen solches Vorgehen direkt oder indirekt das Leben kostet.

Im übrig gebliebenen Wald begegnete mir eine Wandergruppe aus Erwachsenen und Kindern und ich traf auch noch mehrere Paare oder Einzelpersonen, teils mit Vierbeinern an der Leine. Aber niemand war von den kreuz und quer herumliegenden Baumabschnitten in irgendeiner Weise beeindruckt oder äußerte auch nur ein einziges Wort in der Richtung : „Nanu, was ist den hier los…?“ Bin ich wirklich der Einzige, dem soetwas auffällt?

Als sei das Ganze noch nicht schlimm genug, konnte ich noch 3 junge Herren mit Ihren Moto-Cross-Maschinen über die im Süden vorgelagerte Freifläche des Landschaftsschutzgebietes donnern sehen. Dies war nicht das erste Mal. In diesem Gebiet nisten in der warmen Jahreszeit Vögel, die in der roten Liste als „gefährdet“ und „stark gefährdet“ geführt sind.

Ich hoffe, dass die Halberstädter ein weiteres Vorgehen dieser Art nicht zulassen und dass ihnen die Zukunft der „Halberstädter Berge“ mit all ihren Bewohnern nicht völlig egal ist.

2020-01-22
Laut zuständigem Forstbetrieb wurden die Bäume aufgrund von Pilzbefall und Borkenkäferbefall gefällt. Das ist sicher ein wichtiger Punkt, aber dennoch hätte man hier mit mehr Rücksicht und selektiver in der Ausführung der Fällarbeiten vorgehen können. Die Zerstörungen im Boden- und Unterholzbereich sowie die weitreichenden Schneisen stellen die Tier- und Pflanzenwelt in den nächsten Jahrzehnten vor massive Probleme.  Die Bäume, die noch intakt sind und prinzipiell stehen bleiben können, sind nun durch den fehlenden Verbund der Pflanzen untereinander den Witterungsbedingungen und den Angriffen durch Pilze und Insekten weitgehend schutzlos ausgeliefert. Inzwischen wurde ein Teil des Holzes aus dem Wald geholt und gestapelt. An den Schnittflächen der Stämme kann man den Befall teilweise gut sehen, andererseits sind aber auch völlig intakte Stämme dabei. Bei den Arbeiten zur Holzrückung entstanden, wie erwartet, weitere Schäden am Waldboden sowie an den vorgelagerten Grünflächen.

2020-01-25
Nach einem Gespräch mit Jörg Endries, dem Chef-Redakteur der Lokalabteilung der „Volksstimme“ in Halberstadt, ist an diesem Samstag ein Artikel in der Zeitung erschienen. Die anderen Artikel habe ich aus Datenschutzgründen von der Seite entfernt. Das Copyright für den Artikel liegt bei der „Volksstimme“.

Der Artikel ist auch online nachzulesen:
Volksstimme-Artikel

Bezugnehmend auf die Behauptung der Forstverwaltung, die Arbeiten würden mit Sachverstand durchgeführt, hier noch einige Fotos vom heutigen Rundgang.
Das Holz liegt inzwischen mehr oder weniger gestapelt in der Landschaft.

Etliche der Stämme sind gesund. Nicht nur deswegen war die flächige Fällung völlig überzogen.

Diese Kiefer (oben in der Mitte) war über 80 Jahre alt.

Im südöstlichen Teil des Waldes sieht es jetzt so aus. Der gesamte Waldboden ist niedergewalzt. Hier ist von Sachverstand keine Spur. Überall wurden die Nachbarbäume verletzt. Die Wege im Wald sind teils komplett zerfahren, da der Waldboden in dieser Jahreszeit weich ist, besonders wenn die Nächte frostig waren und tagsüber die Oberfläche antaut. Sollte man wissen…

Im Nordosten der Klusberge wurden vor etwa 5 Jahren auch schon Kiefern eingeschlagen. Dieser Holzstapel rottet seitdem vor sich hin. Droht den neuen Stapeln das gleiche Schicksal? Dann hätte man die Bäume auch im Wald stehen und der Natur überlassen können.

2020-02-10
Die geschnittenen Stämme wurden abtransportiert.

Ergänzend möchte ich erwähnen, dass mir heute einige Wanderer begegnet sind, die den Artikel in der Zeitung gelesen hatten und sich selbst ein Bild von der Sache machen wollten. Ich danke an dieser Stelle für die Unterstützung und die aufmunternden Worte. Eine Gruppe von Wanderern war mit Müllsäcken und Greifstäben unterwegs, um Müll aus dem Wald zu sammeln. Dies ist eine neue Initiative einiger Harslebener Bürger. Das hat mir Hoffnung gegeben!


Fortsetzung der Arbeiten im November 2021

2021-11-26
Der Wahnsinn geht weiter! Erneut wurde Holz geschlagen und wieder wurden Hecken am Waldrand und wegbegleitende Buschreihen zerstört.

Man hat die gleichen Fehler wieder gemacht und nichts aus der Aktion von 2020 gelernt.

Hier stand mal eine dichte und artenreiche Hecke mit Dorn- und Beerenbüschen sowie dichter Bodenvegetation.

Völlig überzogen wurde dieser Ahorn am Wegrand gefällt, der niemanden störte und von dem keine Gefahr ausging.

Diesem Strauch wurde der Hauptstamm gekappt und die Nebenstämme wurden in großen Teilen verletzt. Der Grund dafür ist nicht ersichtlich.

Warum nicht einfach mal ein paar Stämme auf den kleinen Busch fallen lassen, ist doch eh´ nur Gestrüpp…

Abladeplatz mit Kronenteilen von gesunden Kiefern, und natürlich alles ab in die Hecke.

Und das wäre nicht anders gegangen? Ich weiß nicht…

Seitentriebe ab und fertig ist der nutzlose Baum. Da hilft auch der Nistkasten für den Baumläufer nicht mehr.

Ein Bild der Verwüstung, Harvesterspuren im weichen Waldboden und alles durcheinandergeworfen. Die Verletzung der Jungbäume ist obligatorisch.

Mal so richtig ´Rumwühlen – keine Worte.

Bruthöhle? Na und – weg damit! Totholz muss ´raus aus dem Wald… meint das beauftragte Forstunternehmen.

Vor 3 Jahren noch ein geschlossenes Waldstück, heute wächst da nur noch Gras, denn das Unterholz wurde einfach und gründlich mal mit platt gemacht.

Auf diesem ausgewählten Trockenrasen mit Steinunterlage wuchsen seltene Pflanzen, mal schauen, ob sie das hier überlebt haben und im Frühjahr wieder kommen.

Bis auf den massiven Untergrund eingewühlt, noch mal gedreht und rangiert, damit der Harvester auch alles erwischt.

Fazit

Auch bei diesen Maßnahmen, die dem Schutz des Waldes und der Bevölkerung dienen sollten, wurde das Ziel grundlegend verfehlt. Der Artenschutz hat hier überhaupt keine Rolle gespielt. Beim Entfernen des Totholzes ging man äußerst brachial vor. Von Sachverstand seitens der Waldarbeiter kann überhaupt keine Rede sein! Die im Zeitungsartikel weiter oben erwähnten Nachpflanzungen in Konsequenz zu den Rodungen 2020 fanden bislang nicht statt. Wieder randalierte man auf den ohnehin geschädigten und sensiblen Flächen mit schwerem Gerät umher. Voruntersuchungen zu Lebensräumen und Populationsdichten seltener oder gefährdeter Pflanzen und Tiere fanden nicht statt. Aus eigenen Beobachtungen weiß ich, dass mehrere „Rote-Liste-Arten“ in dem Gebiet leben, die nun wieder Lebensraum verloren haben, in der Folge abwandern oder im nächsten Jahr nicht wieder kommen. Auf diese Weise schafft Halberstadt seinen Artenreichtum vor den Toren der Stadt systematisch ab.

E-Autos retten nicht unser Klima

Landläufig wird die Meinung vertreten, dass die kommende Generation der privaten Fahrzeuge, die E-Autos, gut für unser Klima sind. Leider stimmt das so nicht ganz, denn die Herstellung eines Elektroautos verschlingt Unmengen an wertvollen Rohstoffen, die zumeist in anderen Erdteilen und unter äußerst menschenunwürdigen und umweltschädlichen Bedingungen aus der Erde gebaggert werden. Für viele der Rohstoffe müssen auch Kinder in unsicheren Bergwerken arbeiten. Wälder werden für die Rohstoffgewinnung gerodet und ganze Landschaften werden verwüstet und mit Abfällen des Bergbaus vergiftet. Ist so ein E-Auto dann erst einmal gebaut, braucht es Batterien. Diese kommen momentan ebenfalls nur mit teuren und seltenen Rohstoffen aus und können nicht in ausreichendem Maß recycled werden. Da die Industrie aber keine Autos zum Zweck der günstigen und sinnvollen Beförderung von Personen von A nach B baut, sondern technische Wunderwerke, die vollgestopft sind mit Elektronik für hunderte Assistenzsysteme, mit Internet, Entertainment, Navigationssystemen und einer Einrichtung für kühle Gertänke im Handschuhfach (Bond würde neidisch werden) und noch dazu eine Kraft von teilweise über 400PS (294.2kW) auf die Straße bringen, deshalb sind E-Autos alles andere als sparsam. Und sein wir doch mal ehrlich: E-Autos werden als Statussymbol momentan geradezu vergöttert, sie sind in Mode und wer was auf sich hält, fährt ebenso weite Strecken wie vorher, aber dafür mit grünem Gewissen. Und E-Autos machen durch die kräftige Beschleunigung auch sehr viel Spaß, ein zusätzlicher Kaufanreiz! Dabei erzeugen E-Autos aber ebenfalls hohe Mengen an verstecktem CO2, die sich im Laufe des Autolebens kaum von einem günstigen Verbrenner oder einem Hybrid-Fahrzeug unterscheiden. Die Erzeugung, Bereithaltung und die Anwendung von Elektroenergie ist immer mit Verlusten verbunden. Selbst wenn der Strom für ein Elektroauto aus der nächstgelegenen Solarzelle oder aus einem benachbarten Windrad stammt, so fährt das E-Auto keinesfalls klimaneutral! Noch dazu erfordern E-Autos eine sehr kosten- und rohstoffintensive Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge und irgendwo muss auch dafür die Energie herkommen. Da Deutschland aus Kohle und Atom ´raus will und nicht alle Wiesen und Äcker mit Wind- oder Solarparks zugestellt werden können und dürfen, tut sich hier ein weiteres Problem auf. Und auch E-Autos erzeugen Feinstaub durch Reifenabrieb, zerstören Straßenbeläge und brauchen Parkraum. Und wohin mit den ganzen noch gut funktionierenden Altautos, wenn jeder nur noch E-Autos fahren will und das sogar gefördert bekommt? Die Frage sollte also nicht sein, welches Antriebssystem in Zukunft für unser Fortkommen sorgt, sondern wie wir überflüssigen Verkehr vermeiden, indem wir uns wieder mehr auf unsere natürlichen Fortbewegungsorgane konzentrieren, die man auch im Alltag bis 3km locker anwenden kann, ohne großartig Zeit zu verlieren. Für Strecken bis 10km kann man das Rad nehmen und auch hier muss es kein E-Bike sein, welches mit seinem überdurchschittlichen Rohstoff-Verbrauch gegenüber einem herkömmlichen Drahtesel vom ökologischen Standpunkt her nur Nachteile bringt. Wenn ich so Leute beobachte, wie sie die 500m zum nächsten Bäcker oder Tante-Emma-Laden mit ihrer Blechkutsche bewältigen, weil sie das Laufen offenkundig schon verlernt haben und dabei eine Viertelstunde mit der Parkplatzsuche beschäftigt sind, dann kann ich nur kopfschüttelnd daneben stehen, denn hier ist ganz bestimmt Umdenken angesagt. Und in Zeiten wie diesen, in denen man sich wieder darauf besinnt, von daheim aus zu arbeiten, merkt man plötzlich, wie wenig man das Auto eigentlich überhaupt braucht. Wie Studien zeigten, ist der Ausstoß von Treibhausgasen 2020 und 2021 wesentlich geringer als in den Jahren davor. Daraus sollten wir lernen!

Bitte nicht füttern

Diesen Hinweis sieht man immer wieder in Zoos oder auf der Weide auf gut sichtbar angebrachten Schildern. Der Betreiber möchte damit ausdrücken, dass er nicht möchte, dass es den Tieren durch zu gut gemeinte Abgabe von diversen Stoffen zum Fressen schlecht geht oder dass die Tiere ihre angeborenen Fähigkeiten verlieren, was bei bestimmten Arten zu Verhaltensstörungen führen kann. Die meisten Besucher halten sich erfahrungsgemäß an solche Hinweise.

Anders ist es jedoch in vielen Parkanlagen oder auf Teichen, Flüssen und Seen in freier Natur, wo oft nicht explizit darauf hingewiesen wird, wenn nicht gerade ein privater Eigner Rechte an der Wasserfläche besitzt. Besonders bei Wasservögeln ist der Mensch geneigt, seine nicht mehr benötigten Backwaren auszubringen und den Geflügelten damit eine Freude zu bereiten. Doch das erscheint nur auf den ersten Blick sinnvoll. Problematisch ist einerseits das Füttern selbst, da die Vögel von ihren natürlich erlernten Verhaltensmustern abweichen und nicht mehr durch eigene Anstrengungen Futter suchen und vom Menschen abhängig werden. Dabei gibt es in aller Regel genug zu fressen. Lediglich im Winter, wenn alle offenen Wasserfächen zugefroren und das Futter unerreichbar ist, kann es sinnvoll sein, durch kontrollierte Fütterungen das Überleben der Vögel zu sichern. Die Gabe von Brot, Brötchen oder anderen Abfällen kann aber zur ernsten Gefahr direkt für die Vögel und indirekt auch für das jeweilige Gewässer werden. Die oft stark verarbeiteten Lebensmittel können von den Vögeln schlecht vertragen werden, die an die stoffliche Zusammensetzung nicht gewöhnt sind. Weiterhin kommt es bei häufigem Publikumsverkehr zum Überfüttern der Vögel mit entsprechend verstärkter Kotabsonderung, die bei kleinen Gewässern schnell zur Überdüngung führen kann, sowie zu verstärktem Algenwachstum und dadurch zum Absterben der natürlich vorkommenden Fischarten und anderer im Schilf oder Schlamm vorkommenden Lebewesen. Es ist also keine gute Idee, Enten, Gänse und Schwäne mit Brot regelrecht zu bewerfen, auch wenn es die Kinder und auch manche Erwachsenenen freut, wenn die Ruderer extra vom anderen Ende des Sees angeschwommen kommen, wenn eine Menschengruppe sich am Ufer blicken lässt. Bei durchziehenden Arten, die die Wasserfläche zum Rasten benutzen, kann eine gut gemeinte Fütteraktion genau das Gegenteil des Beabsichtigten auslösen. Abgesehen von dem Störeffekt, der zum Auffliegen von hunderten Wildvögeln führt und zusätzlichen Stress verursacht, können Futterreste die Gesundheit der Vögel beeinträchtigen. Also bitte beobachten Sie die Vögel gern, aber werfen Sie nichts in´s Wasser, was sie langfristig gefährdet. Und vermeiden Sie bitte das direkte Aufsuchen von Gewässern mit großen Vogelansammlungen.

Angebracht hingegen ist das ganzjährige Bereitstellen von Futter und frischem Wasser für Singvögel im (eigenen) Garten oder am Balkon an immer den gleichen Stellen, so dass die Vögel sich die Orte einprägen und genug zum Überleben und für Ihre Jungen finden, was in der überbewirtschafteten und ausgeräumten Landschaft nicht mehr überall möglich ist, weswegen die Bestände teilweise dramatisch eingebrochen sind in den letzten 20 Jahren. Futter- und Wasserstellen müssen stets sauber sein, damit sich keine Krankheitskeime ausbreiten können. Über die richtige Art des Futters können Sie sich bei den einschlägig bekannten Organisationen (NABU, BUND etc.) informieren, wo Sie auch Anleitungen zum Bau und Betrieb von Futterstellen finden.